Kung Fu ist ein Überbegriff für eine Vielzahl verschiedener Stile unterschiedlicher Schulen der chinesischen Kampfkunst. Der Begriff Kung Fu wird für traditionelle Stile benutzt und kommt in dieser Bedeutung nur im westlichen Kulturraum vor. Auch vom eigentlichen Ziel, dem Kampf, ist im Westen nicht viel übrig.

Interessanter als die Bedeutung des Begriffs sind die ursprünglichen Ursachen, die diese Kampfkunst haben entstehen lassen. Ich benutze im Folgenden den Begriff Kung Fu für jede Form des zivilen körperlichen waffenlosen und auch bewaffneten Kampfes mit chinesischem Ursprung.

Der Krieg als Ursprung

Versetzen wir uns gedanklich an den Beginn unserer Zeitrechnung in die Region des heutigen China. China, so wie wir es heute kennen, gab es damals nicht. Viele kleine und größere Reiche bekriegten sich ständig. Ein Zustand, den man auch aus dem antiken Griechenland kennt. Während sich die ursprüngliche Ausbildung von Soldaten auf die Handhabung von Waffen beschränkte, entwickelte sich ab ca. 500 v. Chr. auch das waffenlose Kampftraining.

Nun beschränkt sich Krieg nicht auf das Militär, sondern betrifft auch immer Zivilisten. Diese Situation enthielt für die damals lebenden Menschen die häufige Gefahr, in eine konfrontative und lebensbedrohliche Situation zu gelangen. Das zwang den Einzelnen, mit allem was er hatte um sein Leben kämpfen zu müssen. Ein Zustand, der mehr als tausend Jahre dauern sollte. In diesen Zeiten wurde der Ursprung für das gelegt, was wir heute als Kung Fu zu kennen glauben. Nach meiner Einschätzung entstand das Kung Fu durch die Notwendigkeit sein eigenes Leben oder das der Familie zu schützen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich dadurch verschiedene Interpretationen einer Kampfkunst. Der ursprüngliche Sinn blieb jedoch erhalten, der Schutz des Lebens bei einer gewaltsamen körperlichen Bedrohung.

Vom Kampf zur Kampfimitation

Im 14. Jahrhundert entstand mit der Ming Dynastie eine eher friedliche Epoche. In dieser Zeit bildeten sich viele Kung-Fu-Schulen. Die Ming Dynastie gilt auch als Hochzeit des Shaolin Klosters. Im Laufe der Zeit entfiel jedoch die Notwendigkeit, um sein Leben zu kämpfen. Das letzte Mal, dass Kung Fu im realen Kampf angewandt wurde, war der Boxer Aufstand im Jahr 1900. Gleichzeitig war dies der Beginn einer Entwicklung, deren Ergebnis wir heute noch beobachten können – dem von einer Kampfkunst zu einer Kampfimitation. Da keine Gefahr mehr bestand, im Laufe seines Lebens einen echten Kampf auf Leben und Tod zu bestreiten, entwickelten sich die ursprünglichen effektiven Kampfstile in Bewegungsstile mit traditionellem Hintergrund. Zwar wurden immer noch die Bewegungen geübt, der Kontext war jedoch ein anderer. Praktiken, die ursprünglich kampfrelevante Fähigkeiten schulten, veränderten sich und wurden zum reinen Selbstzweck. Es war nicht mehr nötig zu lernen, wie man einen Angreifer möglichst schnell und direkt ausschalten kann.
Den Höhepunkt erreichte diese Entwicklung unter Mao Tse Dong während der Kulturrevolution.

Um die ursprüngliche Schlagkraft der traditionellen Schulen wissend und diese auch fürchtend, ordnete Mao Tse Dong an, die chinesische Kampfkunst umzustrukturieren. Alles Kämpferische und Traditionelle wurde entfernt und es entstand das, was wir heute als modernes Wu Shu kennen – artistische Spitzenleistung in farbigen Seidenpyjamas. Trainingsziel war nun nicht mehr die kämpferische Auseinandersetzung, sondern die reine sportliche Betätigung. Mao Tse Dong beabsichtigte, die traditionellen Schulen vollkommen zu verdrängen und letztlich zu beseitigen. Wie wir heute wissen, gelang ihm das nicht vollständig. Eines blieb jedoch bestehen: Es fehlte die Notwendigkeit des körperlichen Kampfes; mitunter weil sich moderne Waffensysteme entwickelten, die ihn überflüssig machten.

Die ganzen traditionellen Stile wandelten sich nun zu etwas, das sich seines kämpferischen und traditionellen Erbes bewusst war, gleichwohl das Wissen um effizientes und effektives Kämpfen jedoch vermissen ließ. So entstanden Übungen, die die Schüler zwar körperlich forderten und bedingt kampfrelevante Elemente in homöopathischen Dosen schulten. Doch im Grunde war das für den Kampf völlig nutzlos und teilweise kontraproduktiv. Als Beispiel kann man sogenannte Zwei-Mann-Formen nennen. Dabei spulen zwei Schüler einen festgelegten Ablauf von vorgegebenen Angriffen und Abwehren ab. Bei fortgeschrittenen Schülern oder Meistern kann dies ein wahrer Augenschmaus sein, da die Körperbeherrschung und die Dynamik durchaus beeindruckend sein mögen. Für einen echten Kampf, bezogen auf die heutige Zeit und eine mögliche Selbstverteidigungssituation, ist dies absolut untauglich.

Trainieren im traditionellen Sinn

Meiner Meinung nach fehlt es vielen Lehrern und Meistern an der Erkenntnis, dass das, was heute als Kung Fu unterrichtet wird, nicht mehr das Gleiche ist, was noch vor zwei- bis dreihundert Jahren gelehrt wurde. Nun leben wir aktuell in einer Zeit, in der es zumindest hier in Europa glücklicherweise sehr unwahrscheinlich ist, um unser Leben kämpfen zu müssen. Nichtsdestotrotz können hier und heute Situationen entstehen, in denen man gezwungen ist, sich körperlich zu verteidigen.

Im Ta Mo Kwoon haben wir uns daher entschieden, einen tatsächlich traditionellen Weg zu gehen und Kung Fu wieder als das zu unterrichten, was seinem ursprünglichen Zweck dient: effizienter und effektiver Selbstschutz. Das enthält nach meinem Verständnis sowohl den körperlichen als auch den mentalen Aspekt.

Kung Fu ist Selbstverteidigung

Selbstverteidigung – realistisch und effizient bietet das Fu Lung Pai. Im Training werden die körperlichen und mentalen Fähigkeiten entwickelt, die nötig sind, um Aggressionen jeglicher Art zu bewältigen. Das System ist so konzipiert, dass es weder an ein Geschlecht, an ein Alter oder besondere körperliche Voraussetzungen gebunden ist. Es verzichtet völlig auf artistische und komplizierte Bewegungsabläufe oder Techniken, sondern schult spezifische Automatismen, die mit wenigen effizienten Techniken kombiniert werden.

Das Fu Lung Pai basiert nicht auf der Anwendung von Techniken, sondern auf der konsequenten Umsetzung von Prinzipien. Dadurch kann man die Bewegungen auf ein Mindestmaß reduzieren und deckt dennoch alle möglichen Bedrohungen ab.

Unser Motto ist Programm: „STAY SAFE – Bleib sicher!“

Das Training besteht aus physischen und psychischen Komponenten.  Physisch bedeutet, dass der Körper aufgrund verschiedener Übungen in die Lage versetzt wird, effizient zu arbeiten.

Mit psychisch ist gemeint, dass man auch geistig in die Lage versetzt wird mit Gefühlen, wie z.B. Angst, umzugehen. Wenn man zwar körperlich fit ist, geistig jedoch nicht in der Lage, die Techniken auch einzusetzen, nutzt das ganze Training nichts.

Oberstes Ziel ist Effektivität. Alle Bewegungen basieren auf einfachen und natürlichen Bewegungen. Ein Mensch erfährt in einer Ausnahmesituation großen Stress. Dadurch verliert er einen Teil seiner kognitiven Fähigkeiten, deshalb wird er in einer Stresssituation stets zu 90% instinktiv handeln. Es bleibt also nichts anderes übrig, als durch ständiges Üben die Automatismen zu schulen, damit genau die Bewegungsmuster in einer Gefahrensituation „abgerufen“ werden können, die nötig sind, die Bedrohung zu beenden.