Traditionelles Kung Fu

Der Kampf bzw. die kämpferische Auseinandersetzung zwischen Völkern, Stämmen oder einzelnen Menschen ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Aus der Notwendigkeit heraus, solche Auseinandersetzungen zum eigenen Vorteil zu entscheiden, wurden wohl die ersten Kampfsysteme entwickelt. Anfangs, um das eigene oder das Überleben des Stammes zu sichern, später hin zum militärischen Gebrauch und wieder zurück zur persönlichen „zivilen“ Anwendung. Wie und in welchem Zeitrahmen sich die Entwicklung von der Kriegs- zur Kampfkunst vollzogen hat, ist ein interessanter Themenbereich, der den Rahmen dieses Buches sprengen würde. Was aber erklärt werden sollte, ist der Begriff „Kampfkunst“, denn meiner Meinung nach könnte der Begriff „Kunst“ etwas in die Irre führen.

Kunst hat in diesem Zusammenhang nichts mit der schöpferischen Arbeit eines Malers oder Bildhauers zu tun, sondern steht hier für Können oder Fertigkeit. Dies wird auch ersichtlich, wenn wir uns den Ursprung des Begriffs „Kampfkunst“ ansehen. Er ist die Übersetzung des lateinischen „Ars Martialis“, was „die Kunst des Mars“ bedeutet. Mars war der römische Kriegsgott. Im Gegensatz zum deutschen Begriff Kampfkunst wird im Englischen der Ursprung deutlicher durch die Bezeichnung „Martial Arts“.

Tatsächlich haben einige Stile in der Neuzeit ihre Ausrichtung geändert, weg von der Vorbereitung auf den realen Kampf, hin zum Sport oder einem System zur charakterlichen Vervollkommnung. Letztere verwenden jedoch immer noch die Bezeichnung Kampfkunst, auch wenn sie nur noch über wenig bzw. keine kampfrelevante Bedeutung mehr verfügen.

Ich bitte darum, dies nicht als abwertend zu verstehen, da diese Stile immer noch hervorragende Arbeit leisten, nur eben nicht in Bezug auf ihre Ursprünglichkeit, nämlich dem erfolgreichen Überstehen einer feindseligen körperlichen Auseinandersetzung.

Es ist meine persönliche Überzeugung, dass ein Stil, der von seinen Vertretern als Kampfkunst bezeichnet wird, sich auch mit dem Thema Kampf realistisch auseinandersetzen muss.

Im Fu Lung Pai nehmen kampfrelevante Übungen den größten Teil der Trainingszeit in Anspruch. Damit die Effizienz jedoch nicht von körperlichen Faktoren abhängt, muss der Stil entsprechend strukturiert sein. Im Fu Lung Pai geht es deshalb vorrangig nicht um Techniken, sondern um Prinzipien.